Die mobilen, individualisierten, digitalen Endgeräte erleben wir vor allem als
Teil von Bewegung im Raum. Schon die immerwährende Verfügbarkeit verweist über die
Bewegung im Raum auf das Phänomen der Kontexte. In den drei Beispielen für mobile
Lernszenarien sind die Schüler vor allem in begehbaren Räumen innerhalb und
außerhalb der Schule, z.B. bei der Hausaufgabe zuhause, in einer
Fahrradwerkstatt, im Vortragsaal des Botanischen Gartens oder bei der
Foto-Erkundung der neuen Schule. In diesen Szenerien kamen zu den konkreten Räumen
Virtuelle Räume hinzu. Bei der Schulerkundung bekamen die Schülerinnen und Schüler
den Anstoß, die Räume zu zeigen, in denen sie außerhalb der Schule leben. De taucht
dann z.B. das Internet mit Facebook oder Websites zu Design und aktuellen
Sprachlogos auf. Dabei handelt es sich um Kontexte, die die Schüler positiv oder
negativ mit der Schule und dem schulischen Lernen verbinden.
Mobile Endgeräte sind auf Kontexte außerhalb des situativen Hier-und-Jetzt
ausgerichtet. Das technische Stichwort dazu ist Konvergenz. An das was Kontexte
ausmacht, kommt man näher heran, wenn man sich einen der Mechanismen vor Augen
führt, die zur heute selbstverständlichen globalen Nutzung der digitalen
Endgeräte geführt hat. Es ist die Detraditionalisierung von Handlungsrahmen die
die Menschen heute immer neu entwerfen. Mit den Handlungsrahmen bestimmen sie ihre
Lebens-Kontexte. Individualisierung und Mobilisierung der Massenkommunikation
führt zu nutzergenerierten Kontexten und nutzergenerierten Inhalten. Damit werden
Kontexte zu einen Definitionselement des heutigen Lebens.
Was ist ein Kontext? Ein Kontext ist ein im Konstruktionsprozess befindlicher
Rahmen, ist also instabil und provisorisch. Provisorische Kontexte rahmen die
optionale Verbindung von Handeln, Repräsentationsformen und Medien einschließlich
der dafür relevanten Kompetenzen, virtueller und lokaler Orte und sozialer
Bezugsfelder wie Milieus (vgl. Dourish 2004, Luckin et al 2005). In unserem
Beispiel stellt der Schüler, der sich mit dem Foto von seiner Website auf dem
T-Shirt als Tänzer zeigt, seinen Kontext her, in dem er Experte des Tanzes ist und
seine eigene Facebook-Seite hat. Er verbindet sein Hobby mit Schule und Facebook.
Es ist sein Kontext, den er an die Schule sozusagen andockt. Das Handy macht das
Generieren persönlicher und provisorischer Kontexte allgegenwärtig. Kontexte sind
ubiquitär, mobil, konvergent und individualisiert und stehen mit diesen Merkmalen
der Struktur des tradierten Lernens entgegen. Die pädagogische Einordnung von
Kontexten neuer Art gelingt, wenn sie sich auf die kulturelle Situiertheit von
Wissen und Lernen bezieht, wie es John Seely Brown et al. vor mehr als zwei
Jahrzehnten formuliert haben. In dieser Perspektive gehören Kontexte wesentlich zu
Wissen und Lernen:
"...that knowledge is situated, being in part a product of the activity,
context, and culture in which it is developed and used" (Brown, Collins, Duguid
1989, S.32)
In diesen Kontexten reflektierend sich zu bewegen und diese Kontexte reflektiert
zu generieren, wird auch zur Bildungsaufgabe. Dabei geht es um ein Kontext
bewusstes Lernen.