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Ben Bachmair

Ben Bachmair

Lernen

Was ist mobiles Lernen? Mobiles Lernen zielt auf Lehr- und Lernformen, die medial-digitale Veränderungen in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler in die Schule integrieren. Zur Lebenswelt gehören Handys ebenso wie Tablets. Welches didaktische Potential bieten Mobile Endgeräten als neue Kulturressource? Wie lässt sich dieses Potential mit Formen des situierten kooperierenden Lernens verbinden? (...mehr)

In der ersten Annäherung an eine Definition Mobilen Lernens handelt es sich um Lernen, bei dem die Anwendungsfunktionen mobiler digitaler Endgeräte eine Rolle spielen. Wenn Leseanfänger Wörter ihrer Lebenswelt wie Müllverbrennungsanlage mit dem Handy fotografieren und diese Fotos in der Grundschule ausdrucken, dann darüber reden, kommt die Fotofunktion des Handys beim Leselernen zum Tragen.

In einer zweiten Annäherung geht es nicht um die technischen Anwendungsfunktionen von Handy, Smartphone oder Tablet. Es steht vielmehr die Einbindung der mobilen Endgeräte in unsere Gesellschaft im Vordergrund. So sind Handy und Smartphone in den Alltag integriert. Smartphone und Tablet sind individueller Teil der Medienkonvergenz mit dem Internet. Tablets als technologische Abkömmlinge des PC stellen die Brücke zu bekannten Formen des digitalen Arbeitens her. Alle mobilen Endgeräte sind auf Kommunikation und Kooperation ausgelegt. Zumindest Handy und Smartphone sind ubiquitär, also im Prinzip jederzeit und überall individuell verfügbar. Diese Funktionen mobiler Endgeräte bieten eine Anbindung von Schule an informelles Lernen des Alltags, Möglichkeiten kooperativen Lernens, situiertes Lernen über Kontexte hinweg (context aware learning).

Um zu einer fundierten Definition mobilen Lernens zu kommen, ist es hilfreich die Passung (englisch: Affordance) der digitalen Mobil-Technologie an gesellschaftliche Strukturen wie Individualisierung und Ökonomisierung, dem Akteur-Status der Lernenden und den Kulturpraktiken des Lernens und Lehrens zu analysieren.

Stichworte zum mobilen Lernen: Alltag, Schule, Ökonomie und Kultur

Mobiles Lernen bedeutet in einer ersten Definition, die neuen mobilen Digitaltechnologien, das sind im Moment vor allem Smartphones und Tablets, in Lernkontexten wie Schule oder für informelles Lernen im Alltag zu nutzen. Dafür gibt es auf den ersten Blick einen guten Grund: Weltweit trägt nahezu jeder ein Handy oder das internetfähig Smartphone bei sich. Dennoch verlangt Schule weltweit, Handys und Smartphones in der Schule auszuschalten. Mit Engagement unterstützen Lehrerinnen und Lehrer dieses Handy-Verbot.

Szenarien

WhatsApp for Gender and Language Awareness (2015)

Ben Bachmair

Awareness Path (2014)

Ben Bachmair

Learning in and by generated, provisional Contexts (2014)

Ben Bachmair

Agency and Life Orientation of Social Justice (2014)

Ben Bachmair

Zielorientiertes Schüler-Portfolio Übergangsklasse (2014)

Ben Bachmair

Partner Interview (2013)

Ben Bachmair

Multimodal Bricolage (2013)

Ben Bachmair, Norbert Pachler

Auf dem Weg zu einer Didaktik mobilen Lernens (2013)

Ben Bachmair

Hausaufgaben (2013)

Ben Bachmair

Botanische Garten (2012)

Ben Bachmair

Botanical Garden (2012)

Ben Bachmair

Training Scenario - MyMobile (2012)

Ben Bachmair, Norbert Pachler

Bicycle Workshop (2011)

Ben Bachmair, Norbert Pachler

T-Shirt Images (2011)

Ben Bachmair

Buchstaben und Laute suchen (2011)

Ben Bachmair, Katja Friedrich, Maren Risch

Mit dem Handy Geräusche einfangen (2011)

Ben Bachmair, Katja Friedrich, Maren Risch

Homework - Mathematic Angles (2011)

Ben Bachmair, John Cook, Norbert Pachler

Lernen in den von Nutzern generierten Kontexten Da war die Lernwelt noch überschaubar, als die Schule noch die alleinige Definitionsmacht über das Lernen hatte. Heute lernen die Kinder schon über die verschiedensten Kontexte hinweg, indem sie ihre Konsumwelt, ihre Lernwelten, ihre Hobby-Welten als ihren Kontext generieren. Sie tun das flexibel und provisorisch. Dazu eignen hervorragend sich Handys, Tablets, Spielkonsolen und die anderen mobilen Endgeräte. Künstliche Intelligenz / Artificial Intelligence wird wahrscheinlich die Optionen von Kindern und Jugendlichen eigene Lernkontexte zu generieren deutlich verändern: Verändern im Sinne neuer Optionen oder radikaler Beschränkungen? Und was bedeutet das für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen? Eine kulturökologische Perspektive soll Antworten auf diese Fragen bringen. (...mehr)

Die mobilen, individualisierten, digitalen Endgeräte erleben wir vor allem als Teil von Bewegung im Raum. Schon die immerwährende Verfügbarkeit verweist über die Bewegung im Raum auf das Phänomen der Kontexte. In den drei Beispielen für mobile Lernszenarien sind die Schüler vor allem in begehbaren Räumen innerhalb und außerhalb der Schule, z.B. bei der Hausaufgabe zuhause, in einer Fahrradwerkstatt, im Vortragsaal des Botanischen Gartens oder bei der Foto-Erkundung der neuen Schule. In diesen Szenerien kamen zu den konkreten Räumen Virtuelle Räume hinzu. Bei der Schulerkundung bekamen die Schülerinnen und Schüler den Anstoß, die Räume zu zeigen, in denen sie außerhalb der Schule leben. De taucht dann z.B. das Internet mit Facebook oder Websites zu Design und aktuellen Sprachlogos auf. Dabei handelt es sich um Kontexte, die die Schüler positiv oder negativ mit der Schule und dem schulischen Lernen verbinden.

Mobile Endgeräte sind auf Kontexte außerhalb des situativen Hier-und-Jetzt ausgerichtet. Das technische Stichwort dazu ist Konvergenz. An das was Kontexte ausmacht, kommt man näher heran, wenn man sich einen der Mechanismen vor Augen führt, die zur heute selbstverständlichen globalen Nutzung der digitalen Endgeräte geführt hat. Es ist die Detraditionalisierung von Handlungsrahmen die die Menschen heute immer neu entwerfen. Mit den Handlungsrahmen bestimmen sie ihre Lebens-Kontexte. Individualisierung und Mobilisierung der Massenkommunikation führt zu nutzergenerierten Kontexten und nutzergenerierten Inhalten. Damit werden Kontexte zu einen Definitionselement des heutigen Lebens.

Was ist ein Kontext? Ein Kontext ist ein im Konstruktionsprozess befindlicher Rahmen, ist also instabil und provisorisch. Provisorische Kontexte rahmen die optionale Verbindung von Handeln, Repräsentationsformen und Medien einschließlich der dafür relevanten Kompetenzen, virtueller und lokaler Orte und sozialer Bezugsfelder wie Milieus (vgl. Dourish 2004, Luckin et al 2005). In unserem Beispiel stellt der Schüler, der sich mit dem Foto von seiner Website auf dem T-Shirt als Tänzer zeigt, seinen Kontext her, in dem er Experte des Tanzes ist und seine eigene Facebook-Seite hat. Er verbindet sein Hobby mit Schule und Facebook. Es ist sein Kontext, den er an die Schule sozusagen andockt. Das Handy macht das Generieren persönlicher und provisorischer Kontexte allgegenwärtig. Kontexte sind ubiquitär, mobil, konvergent und individualisiert und stehen mit diesen Merkmalen der Struktur des tradierten Lernens entgegen. Die pädagogische Einordnung von Kontexten neuer Art gelingt, wenn sie sich auf die kulturelle Situiertheit von Wissen und Lernen bezieht, wie es John Seely Brown et al. vor mehr als zwei Jahrzehnten formuliert haben. In dieser Perspektive gehören Kontexte wesentlich zu Wissen und Lernen: "...that knowledge is situated, being in part a product of the activity, context, and culture in which it is developed and used" (Brown, Collins, Duguid 1989, S.32)

In diesen Kontexten reflektierend sich zu bewegen und diese Kontexte reflektiert zu generieren, wird auch zur Bildungsaufgabe. Dabei geht es um ein Kontext bewusstes Lernen.

Berichte und Projekte

AI as Cultural Resource in Disruptive Cultural Transformation

Artificial Intelligence as Cultural Resource in Disruptive Cultural Transformation - Opening an Argumentative Framework for Education

Digitale Bildung

Grundschulprojekt Gemeinsam Spiel- und Tanzszenarien in der Grundschule programmieren - Unterrichtseinheit zum Digitalen Lernen mit mobilen Endgeräten

Migration - Zweitspracherwerb

Grundschulprojekt Wortschatzsuche - Mit Handy und Tablet unterwegs in der gelebten deutschen Sprache: Mitschüler als Lernpaten

Einwöchiges Projekt Spracherkundung einer Übergangsklasse einer Mittelschulschule - Schüler/innen unterstützen ihre neuen Mitschüler/innen als Lernpaten

Re-interpretation of war

Animals in war - workshop school for special education students

Awareness Path - London Grammar School

Traces of war and peace - rap workshop Augsburg

Lesen und Schreiben als soziales Risiko

Seit den 1980er Jahren entwickelt sich mit sozialkulturellen Milieus eine neue Sozialstruktur. Sie entsteht zum einen aus der bekannte hierarchischen Gliederung nach Schichten, die von der schulischen Bildung und dem Beruf abhängen. Neu ist dagegen eine Gliederung nach Lebensstilen und Werten, die die Menschen in sozialkulturellen Milieus zusammenführt. Diese Milieus sind über eine Werteorientierung und Lebensstilorientierung selber gewählt. Mit der neuen Lebensstilorientierung geht auch ein Wandel der Lernformen einher, die u.a. zur Distanz, teilweise auch zur Ablehnung von formaler Bildung und Schule führt. Bei prekären Milieus mit minimalen Berufserfolgen und einer Orientierung am materiellen Konsum oder an Flexibilität und Diskontinuität ist eine geringe Bildungsorientierung oder sogar eine Ablehnung von Schule nicht unwahrscheinlich. Als Stichwort dazu hat sich 'bildungsfern' eingebürgert.

Zudem gibt es eine grundlegende Verschiebung bei den für unsere Kultur wichtigen Textformen, weg vom Fließtext des Essays (kontinuierlicher Text) hin zu sogenannten diskontinuierlichen Texten des Internet. Bei diesen diskontinuierlichen Texten handelt es sich um eine Mischung von Bildern, Schrift, Tönen und Videos. Der Fachbegriff dafür ist der multimediale, multimodale Text. In bildungsfernen Milieus hat sich die Kompetenz im Umgang mit kontinuierlichen Texten, als den schriftlichen, getippten Texten des Essays, des Berichts usw. teilweise soweit reduziert, dass es erhebliche Probleme gibt, angemessen bezahlte Arbeit zu finden, so die Ergebnisse der Untersuchung Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) von 2013. Praktische Ziele ist die Kompetenz für Kultur-Ressource des Lesens und des Schreibens kontinuierlicher und diskontinuierlicher Texte zu fördern. Im Vordergrund steht dabei, die bei den Kindern und Jugendlichen vorhandenen Schreibkompetenzen diskontinuierlicher Texte der Alltagskultur als ihre Kulturressourcen und damit als wichtig und angemessen für Selbstausdruck anzuerkennen, wertzuschätzen und fördernd weiterzuentwickeln. Argumentativer Ausgangspunkt, die Kompetenz diskontinuierlicher Texte zu entwickeln, ist das von der Stiftung Bertelsmann im "Chancenspiegel" (2012) vorgestellte Modell der Sozialen Gerechtigkeit mit den folgenden drei Komponenten:

  • Faire Chancen zur Teilhabe an der Gesellschaft , die die Schule garantiert;
  • Anbindung an persönliche Lebensstile und Lebensläufe;
  • Kommunikative Freiheit mit der Anerkennung von abweichenden und unerwarteten Kompetenzen.